Aktuelle Artikel über den Bodensee
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    Quagga-Muschel bereitet Sorgen

    Die Quagga-Muschel bereitet den Wasserexperten Sorgen

    Inzwischen ist die neu eingewanderte Art in allen Teilen des Sees zu finden. Die IGKB wertet dies als weiteres Anzeichen für die tief greifenden Veränderungen im See.

    Überall wo Gewässerexperten derzeit am See nach der Quagga-Muschel suchen, werden sie fündig – sowohl in der Flachwasserzone als auch in größeren Tiefen bis etwa 40 Meter. Und auch in Planktonproben, die im Rahmen der monatlichen Routineuntersuchungen in Seemitte genommen werden, finden sich die Larven der Muschel.

    Von ihrem Heimatgebiet, dem Schwarzen Meer, hat sich die Quagga-Muschel inzwischen weltweit ausgebreitet. Anfang 2016 berichteten Taucher über die ersten Funde im Bodensee, wo bisher noch keine gravierenden Schäden durch diese neue Art bekannt sind. Sicher ist aber, dass sie nun ihren Platz im Ökosystem finden muss. Die Internationale Gewässerschutzkommission für den Bodensee (IGKB) verfolgt diese Prozesse genau. So befasst sie sich jetzt auf ihrer Jahrestagung im Kanton St. Gallen intensiv mit den aktuellen Veränderungen im See.

    Dazu zählen neben den tiefgreifenden Auswirkungen des Klimawandels und den Einflüssen von Spurenstoffen auch die Folgen, die durch die Einwanderung gebietsfremder Arten oder die plötzliche Massenvermehrungen etablierter Tiere, Pflanzen und Planktonorganismen entstehen. Hier erfordern derzeit beispielsweise der Stichling oder die Burgunderblutalge die besondere Aufmerksamkeit der Gewässerexperten.

    Im Rahmen des neuen Forschungsprojekts „SeeWandel“ sollen solche Prozesse detailliert analysiert werden. Mit insgesamt 13 groß angelegten Projekten wollen die Forscher die IGKB bei ihrer Aufgabe unterstützen, die Veränderungen im Ökosystem Bodensee zu bewerten. Zudem liefern die dabei gewonnenen Erkenntnisse die erforderliche Basis, um der Wasserwirtschaft und der Politik Empfehlungen geben zu können.

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    Zwei Seeteile - Zwei Pegelstände

    Im Obersee und im Untersee ist der Seespiegel unterschiedlich hoch – wobei die Differenz in den Pegelständen seit einigen Jahren stetig zunimmt. Ein Team aus Wissenschaftlern untersucht, woran das liegen könnte.

    Seit etwa zehn Jahren wächst die Differenz zwischen den Wasserständen im Obersee und im Untersee sowie zwischen dem Untersee und dem Hochrhein im Ausstrombereich des Bodensees. Für Bernd Wahl, Physiker am Institut für Seenforschung in Langenargen, ist dies „eine spannende Entwicklung, deren Ursachen wir in Kooperation mit Kollegen aus der Schweiz und dem Bereich der Unterwasserarchäologie näher untersuchen“.

    Dass sich die Seenkundler mit Pegelständen und Strömungsverhältnissen im See beschäftigen, hat auch ganz praktische Gründe. So ist die Höhe der Wasserstände für die ökologisch bedeutsamen Ufer- und Flachwasserzonen von großer Bedeutung, genauso wie für verschiedene Nutzungen des Sees, allen voran die Schifffahrt. Hinzu kommt ein wichtiger kulturhistorischer Aspekt: Durch eine verstärkte Erosion des Seegrunds im Uferbereich können prähistorische Siedlungsreste wie beispielsweise die Pfähle steinzeitlicher Pfahlbauten freigelegt und in der Folge zerstört werden. Das war den Archäologen besonders in den Ausstrombereichen des Bodensees aufgefallen.

    So erhöht der Bewuchs mit Wasserpflanzen (Makrophyen) den Wasserstand.

    Als die Seenexperten die Pegeldaten genauer unter die Lupe nahmen, ergab sich für den Zeitraum von 2007 bis 2015 gegenüber der Zeit zwischen 1985 bis 2006 ein deutlicher Anstieg der Differenzen in den mittleren Wasserständen: Zwischen Obersee und Stein am Rhein waren es 24 Zentimeter und zwischen Untersee und Stein am Rhein 11 Zentimeter.

    Die Frage war nun: Nimmt die Differenz in den Pegelständen zu, weil sich das Wasser am Ausfluss der beiden Seeteile staut – oder weil die Wasserstände in den unteren Gewässerabschnitten sinken? Die Analysen ergaben eine klare Antwort: Das Wasser staut sich verstärkt zwischen Obersee und Untersee sowie zwischen Untersee und Hochrhein. Im Hochrhein bei Stein am Rhein sind die Wasserstandsverhältnisse annähernd stabil geblieben.

    Dies könnte zum einen darin liegen, dass sich der Abflussquerschnitt in den Abflussbereichen verringert hat. Zum anderen könnte sich der Fließwiderstand in diesen Bereich erhöht haben, beispielsweise durch Wasserpflanzen. Letzteres scheint der Grund für den Anstieg der Pegeldifferenz zu sein. Das zeigen aktuelle Pflanzenkartierungen, die mit Hilfe von Tauchern, aber auch aus der Luft mit Drohnen durchgeführt wurden.

    Im Bereich der Abflüsse von Obersee und Untersee wachsen verstärkt Wasserpflanzen, die den jeweils darüberliegenden Seeteil aufstauen.
    Foto: Dienst/Mainberger

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    1817 – ein Katastrophenjahr

    Vor 200 Jahren ging es den Menschen am Bodensee sehr schlecht. Am 7. Juli 1817 ereignete sich die schlimmste Überschwemmungskatastrophe seit Jahrhunderten. Wie die historischen Markierungen zum Gedenken an extreme Hochwasserereignisse zeigen, gab es auch seither keinen höheren Wasserstand mehr am See.

    Besonders verheerend war das Geschehen im Einzugsgebiet des Alpenrheins. Dort wurden die Menschen im Jahr 1817 gleich dreimal vom Hochwasser heimgesucht: im Juni, Juli und ganz besonders nach dem 28. August, als der Rhein an zahlreichen Stellen die Dämme durchbrach. Über weite Strecken war die Talsohle damals vom Wasser bedeckt. Es wurde sogar befürchtet, dass der Rhein in Richtung Walensee durchbrechen könnte.

    Es waren vor allem zwei Gründe, die den See und die Flüsse in dieser Zeit so vehement über die Ufer treten ließen. Zum einen waren die Jahre zwischen 1810 und 1822 klimatisch bedingt ungewöhnlich kühl – nur 1818 und 1819 wurden in den Sommerhalbjahren die Durchschnittswerte des 20. Jahrhunderts erreicht. 1816 dagegen hielt sich der Schnee oberhalb von 1800 bis 2300 Meter das ganze Jahr über. Das lag vor allem an der gravierenden weltweiten Abkühlung, die der Ausbruch des indonesischen Vulkans Tambora am 5. April 1815 zur Folge hatte: Seine Aschewolke und seine Schwefelgase absorbierten das wärmende Sonnenlicht, worauf sich die gesamte Erde abkühlte.

    Neben vielen anderen negativen Folgen verschob sich auch die Schneeschmelze weit in den Sommer hinein und 1817 schmolzen zusätzlich die 1816 liegengebliebenen Schneemengen. Hinzu kamen größere Niederschlagsmengen. So nahm das katastrophale Jahr seinen Lauf.

    Die historischen Hochwassermarken im Hafen Bregenz zeigen, wie gewaltig die Überschwemmung 1817 war.
    Foto: Blank

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    Faszinierende Steilwände

    Es ist schon beeindruckend, wie steil es am Bodenseeufer vor Überlingen in die Tiefe geht. Und es ist ein phantastisches Erlebnis, in dieser schönen, zerklüfteten Steilwand zu tauchen. Aber nicht nur Hobbytauchern eröffnet sich dort eine einmalige Steilwand: Auch wissenschaftlich hat dieser Lebensraum eine ungewöhnliche Lebensgemeinschaft zu bieten – weshalb sie auch gerne das Ziel von tauchenden Biologen ist. Besonders beeindruckt die dichte Besiedelung mit Dreikantmuscheln. So berichten Taucher, dass bis zu 8000 Muscheln einen Quadratmeter der Steilwand besiedeln. Der dichte Muschelbesatz dient wiederum anderen Mitgliedern dieses bemerkenswerten lokalen Ökosystems als Lebensgrundlage: anderen Muscheln, Schnecken, Krebsen, Polypen und Süßwasserschwämmen.

    Diese von den Dreikantmuscheln gebildeten „Wandteppiche“ an den Steilufern kommen dadurch zustande, dass die Muscheln sich mit ihren extrem stabilen Haftfäden, Byssus genannt, an den Felsen anheften können. So bilden sie die Grundlage für die Ansiedlung der anderen Tiere – von denen manche auf diese „Aufbauhilfe“ geradezu angewiesen sind. So wachsen zwei der vier bekannten Süßwasserschwämme, die im Bodensee vorkommen, nur auf Muscheln. Die beiden anderen Arten beobachten die Taucher auch direkt auf den Felsen.

    Sobald die Süßwasserschwämme auf den Muscheln aufwachsen, verändern sie ihre äußere Gestalt: Sie entwickeln sich zu kugeligen Gebilden mit einer zentralen Öffnung, die von den Tauchern nicht zu übersehen ist. Die einzigartige Lebensgemeinschaft „Steilwand Bodensee“ soll nun wissenschaftlich näher untersucht werden, und zwar in einer interessanten Forschungskooperation: Mit von der Partie sind neben dem Institut für Seenforschung in Langenargen (ISF) die Wissenschaftliche Tauchgruppe der Universität Stuttgart (WiTUS) sowie das Forschungs- und Medienschiff Aldebaran. Bereits im Juni 2017 haben sich die Aldebaran und das ISF-Forschungsschiff Kormoran zu einer gemeinsamen Aktion getroffen, bei der Schüler mit Unterstützung der Baden-Württemberg-Stiftung die Unterwasserwelt des Bodensees vom Schiff aus erkundet haben.

    Die zentrale Öffnung ist typisch für Süsswasserschwämme, die auf Muscheln wachsen.
    Foto: Brümmer