Aktuelle Artikel über den Bodensee
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    Aktuell informiert - Newsletter

    Aktuell informiert - Newsletter

    Der Phosphorgehalt im Bodensee, die Sanierung der Ufer, Spurenstoffe im See und seinen Zuflüssen, die Invasion der Quagga-Muschel, die explosionsarte Vermehrung der Stichtlinge, die vielfältigen Folgen des Klimawandels: Seit vielen Jahren informieren wir mit dem „Seespiegel“ unsere Leserinnen und Leser über solche und viele andere aktuelle Entwicklungen rund um den Bodensee. Eng damit verbunden sind die vielfältigen Aufgaben und Aktivitäten der Internationalen Gewässerschutzkommission für den Bodensee (IGKB).

    Seit diesem Frühjahr erscheint zwei Mal im Jahr ein digitaler IGKB-Newsletter, der sowohl auf Mobiltelefonen als auch auf Tablets und am Computer zu lesen ist. Als weiteres Plus zur gedruckten Version ist der „E-Seespiegel“ großzügig bebildert und damit für die Leserinnen und Leser noch attraktiver.

    Bleiben Sie auf dem Laufenden über die Arbeit der IGKB, wo immer Sie auch sind, und abonnieren Sie unseren Newsletter! Sie können sich dazu über unsere Webseite anmelden:
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    Blinde Passagiere

    Blinde Passagiere

    Wie fremde Tiere und Pflanzen den See erobern

    Die Quagga-Muschel ist ein besonders augenfälliges Beispiel dafür, wie sich neue Arten im Bodensee ausbreiten – mit erheblichen Folgen für das bestehende Ökosystem. Doch auch mikroskopisch kleine Organismen können Gewässergrenzen überwinden. Was ist dagegen zu tun?

    Petra Teiber-Siessegger bringt es auf den Punkt: „Die Quagga-Muschel kommt flächendeckend im gesamten Bodensee vor – und wir haben so viele Muschellarven wie noch nie.“ Wie die Biologin am Institut für Seenforschung in Langenargen und Sachverständige in der IGKB weiter berichtet, wurden auch bei Probenahmen in 200 Meter Tiefe einzelne Jungmuscheln entdeckt.

    Auch Kieselalgen wandern ein

    Bei den Neobiota, den neu in ein Ökosystem eingewanderten Arten also, richtet sich das Augenmerk vor allem auf größere Tiere und Pflanzen. Doch auch ganz kleine Organismen verbreiten sich als sogenannt standortfremde Arten um den Globus, beispielsweise Kieselalgen. Diese hat Christine Schranz vom Bayerischen Landesamt für Umwelt und ebenfalls Sachverständige in der IGKB im Blick: „Bei den mikroskopisch kleinen Kieselalgen, die am Gewässerboden leben, gibt es einige Beispiele für Zuwanderung – nur ist darüber leider nicht allzu viel bekannt“, sagt die Gewässerbiologin. Daher könne meist nicht gesagt werden, ob Arten bereits eingewandert bzw. wie und wann sie woher gekommen sind. „Gerade deswegen muss man davon ausgehen, dass es mehr davon gibt, als bekannt ist“, fügt sie an.

    In manchen Ländern wie etwa Neuseeland, Chile oder Kanada sorgt zum Beispiel seit einigen Jahren eine am Gewässerboden lebende Kieselalge für zum Teil erhebliche Probleme. Dort wurde Didymosphenia geminata – so ihr wissenschaftlicher Name – invasiv. Sie bildet große Matten, die alles überwuchern. Hierzulande ist diese Alge zwar heimisch, sie ist kommt aber eher selten vor. Doch wenn sie in neuen Lebensräumen massiv zu wachsen beginnt, kann sie ganze Ökosysteme stark in Mitleidenschaft ziehen – dann kann z.B. Futter für Fische knapper werden. Hinzu kommt, dass solche Gewässer erheblich an Attraktivität für Freizeitaktivitäten einbüßen.

    Die IGKB zeigt, wie die Weiterverbreitung von Neobiota verhindert werden kann. Teil dieser Kampagne sind das Plakat „Vorsicht blinde Passagiere“ und der Flyer „Gebietsfremde Arten im Bodensee“, die man auf www.igkb.org/aktuelles herunterladen kann. (Bild: IGKB)

    Vorsicht blinde Passagiere

    Wie aber gelangen Pflanzen und Tiere in neue Lebensräume? Sie können sich zum Beispiel entlang von künstlich geschaffenen Wasserstraßen ausbreiten. Über den Main-Donau-Kanal etwa gelangten unter anderem der große Höckerflohkrebs oder die Donau-Schwebgarnele von der Donau ins Rhein-System. Wasserfahrzeuge, die vom Menschen über Land von einem Gewässer zum anderen transportiert werden, können eine Art Autobahn sein. Manchmal reicht auch nur eine feuchte Umgebung. Neobiota können längere Transportwege zum Beispiel in nicht vollständig getrockneter Taucherkleidung überdauern.

    Was sich gegen die blinden Passagiere tun lässt, beschreibt Petra Teiber-Siessegger anschaulich so: „Wenn man mit einem Boot oder mit der Taucherausrüstung den See verlässt, dann heißt es putzen, putzen, putzen – und alles gut trocknen lassen.“ Dies sei der beste Weg, um andere Gewässer vor der Invasion neuer Arten zu schützen. Genau das hat sich auch die IGKB zur Aufgabe gemacht: Sie hat jetzt ein Plakat veröffentlicht, mit dem vor diesen „Blinden Passagiere“ gewarnt wird. Außerdem werden in einem Flyer konkrete Tipps gegeben, was zu beachten ist, wenn Wasserfahrzeuge von einem Gewässer in ein anderes wechseln.

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    Prähistorische Seehügel

    Archäologische Untersuchung steht erst am Anfang

    Bild: Amt für Archäologie, Kanton Thurgau

    Wozu dienten 170 prähistorische Steinhügel entlang des südlichen Bodenseeufers? Das Rätsel bleibt auch fünf Jahre nach Entdeckung dieser Erhebungen ungelöst.

    Sie finden sich verteilt auf einer Strecke von 10 Kilometern im flachen Wasser zwischen Romanshorn und Altnau. „Nach den bisherigen Untersuchungen ist es naheliegend, dass die Bewohnerinnen und Bewohner der jungsteinzeitlichen Pfahlbausiedlungen die Steinstrukturen angelegt haben“ , sagt Urs Leuzinger vom Amt für Archäologie Thurgau. Schätzungen zu Folge haben sie mindestens 78‘000 Tonnen Steine aufgeschüttet. Warum die Menschen vor rund 5‘500 Jahren diese Riesenarbeit auf sich nahmen? Darüber gibt es nichts als Spekulationen.

    Die merkwürdigen Hügel wurden der Öffentlichkeit erstmals an einer Pressekonferenz zum IGKB-Projekt „Tiefenschärfe“ präsentiert. Dabei führte ein Team des Instituts für Seenforschung Langenargen zwischen 2013 und 2015 eine hochauflösende Vermessung des Bodensees durch.

    Bild: Die Hügel lassen sich auch gut hier in der App auf der Karte "Wassertiefen" erkennen.

    Sie zeigte eine auffallend regelmäßige Reihe von Strukturen mit Durchmessern zwischen 10 und 30 Metern und einer Höhe von bis zu 1,5 Metern. Das Echo auf die unerklärliche Entdeckung in den Medien war groß – und bald einmal war in den Berichten von „Stonehenge am Bodensee“ die Rede. Tatsächlich schließt die Fachwelt nicht aus, dass die Steinhügel zu kultischen Zwecken errichtet wurden.

    Bild: Amt für Archäologie, Kanton Thurgau

    Denkbar wäre, dass sie für Bestattungsriten oder als astronomische Anlage gebaut wurden. Doch möglicherweise dienten sie auch der Fischerei oder dem Bau von Siedlungen. „Die archäologische Untersuchung der Steinschüttungen steht erst am Anfang“, betont Urs Leuzinger. Um zusätzliche Erkenntnisse zu deren Entstehung und Funktion zu erhalten, müssten mehrere Hügel analysiert und mindestens einer davon auch großflächig ausgraben werden. Doch solche Maßnahmen, so der Archäologe, seien sehr zeit- und kostenintensiv. Als nächster Schritt soll nun versucht werden, die Hügel als Denkmäler zu schützen.

    Bild: Amt für Archäologie, Kanton Thurgau

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    100 Jahre ISF – mit Erfahrung in die Zukunft

    100 Jahre ISF – mit Erfahrung in die Zukunft

    Im Jahr 1920 wurde in Langenargen der Verein für Seenforschung und Seenbewirtschaftung ins Leben gerufen. Er legte den Grundstein für eine bis heute anhaltende Erfolgsgeschichte zum Wohle des Bodensees.

    Es war nach dem 1. Weltkrieg und der Spanischen Grippe eine ungewöhnliche Leistung engagierter Bürger, im Jahr 1920 einen Verein für Seenforschung und Seenbewirtschaftung in Langenargen zu gründen. Heute würde man von einer NGO, einer Nichtregierungsorganisation reden, die damals in bemerkenswert vorausschauender Weise Nutzung und Schutz des Sees miteinander verbinden wollten. Die fischereiliche Nutzung des Sees stand dabei im Vordergrund dieser Bürgerinitiative, die bei der Gründungsversammlung bereits 180 Mitglieder und 12 Stifter hatte. Doch ebenso wichtig war auch, die mögliche Gefährdung des Sees durch Umwelteinflüsse und Nutzungen zu erkunden. So haben es sich die beiden führenden Initiatoren für die Gründung des Vereins – Prof. Reinhard Demoll und Dr. h.c. Eugen Kauffmann – mit ihrem Team zur Aufgabe gemacht, das Ökosystem Bodensee grundlegend zu verstehen – und damit auch die Fischerei.

    Nachdem 1925 der Institutsneubau in der Unteren Seestraße 81 in Langenargen eingeweiht wurde, konnte die Forschung dann richtig Fahrt aufnehmen: Nun wurde mit der wissenschaftlichen Bestandsaufnahme des biologischen, chemischen und physikalischen See-Inventars begonnen. Die wissenschaftlichen Meriten ließen nicht lange auf sich warten. 1936 wurde das Institut an die Kaiser-Wilhelm-Gesellschaft zur Förderung der Wissenschaften, die Vorläuferorganisation der heutigen Max-Planck-Gesellschaft, angegliedert. In dieser Zeit – wie auch danach – prägten namhafte Limnologen die Arbeit im Institut.

    1960 wurde das Institut verstaatlicht, 1970 dann die beiden Seenforschungsinstitute in Konstanz und Langenargen zusammengelegt. 1975 kam die Eingliederung des Instituts in die damals neu gegründete Landesanstalt für Umweltschutz in Baden-Württemberg. Seit 1990 ist das „Institut für Seenforschung“ nun der Abteilung 4 – Wasser – der Landesanstalt für Umwelt Baden-Württemberg LUBW zugeordnet. Den „Verein der Freunde des Instituts für Seenforschung und des Bodensees e.V.“ gibt es aber auch heute noch: Er unterstützt das Institut nach wie vor nach Kräften.

    Mit Anzug und Krawatte: So wurde vor 100 Jahren der See untersucht.
    Fotos: ISF

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    Wie die Quagga-Muschel den See verändert

    Wie die Quagga-Muschel den See verändert

    Inzwischen ist die neu eingewanderte Muschel überall im See zu finden – selbst in den größten Tiefen. Was bedeutet das für den See und seine Lebensgemeinschaften? Wir beantworten die wichtigsten Fragen.

    Wie hat sich die Quagga-Muschel im Bodensee ausgebreitet?
    Erstmals wurde die Quagga-Muschel (Dreissena rostriformis) 2016 im Bodensee nachgewiesen. Inzwischen ist sie rund um den See zu finden. Ihre Larven werden in allen Wassertiefen gefunden, die erwachsenen Muscheln selbst siedeln bis in etwa 100 Meter Wassertiefe.

    Woher kommt die Muschel?
    Ursprünglich stammt die Quagga-Muschel aus dem Aralsee und dem Schwarzmeerraum. Sie hat sich aber inzwischen in weiten Teilen der Welt etabliert, so zum Beispiel auch in Nordamerika.

    Wie ist die Quagga-Muschel in den Bodensee gekommen?
    Das ist nicht bekannt. Sie könnte mit Booten, die von Gewässern, in denen die Quagga bereits vorkam, zum Bodensee transportiert worden sein. Die Muscheln selbst können außerhalb des Wassers bis zu 90 Stunden überleben. Auch die Larven können etwa im Bilgenwasser oder im Kühlwasser eines Motors am Leben bleiben.

    Wie ist der Lebenszyklus?
    Die Tiere heften sich mit ihren sogenannten Byssusfäden an Steine, Betonwände, andere Muscheln und weitere harte Substrate. Zur Fortpflanzung geben die weiblichen Muscheln Eier ins Wasser, die männlichen Samen. Aus den befruchteten Eizellen entstehen sogenannte Veliger-Larven. Sie leben frei schwebend als Plankton im Wasser und setzen sich nach einiger Zeit fest. Die Fortpflanzung setzt bei einer Wassertemperatur von etwa fünf Grad ein – und ist nahezu ganzjährig und in allen Seetiefen möglich.

    Was bedeutet die Muschel für die Trinkwasseraufbereitung?
    Die Qualität des aus dem Bodensee gewonnenen Trinkwassers ist nicht gefährdet, da die Larven herausgefiltert werden. Die Trinkwasseraufbereitung wird aber deutlich aufwendiger, da die Larven über die Entnahmerohre in die Aufbereitungsanlagen gelangen und sich dort festsetzen können. Um dies zu verhindern, müssen die Anlagen öfter gereinigt werden. Und die Bodenseewasser-Versorgung stattet nun ihre Anlagen mit modernster Ultrafiltrationstechnologie aus. Dies erfordert allerdings erhebliche Investitionen.

    Die Muschellarve schwebt frei im Wasser.

    Hat die Muschel auch Feinde im Bodensee?
    Ja, Wasservögel fressen Muscheln. Aber sie können nur bis in eine begrenzte Tiefe tauchen. Muscheln, die tiefer als etwa zehn Meter leben, sind vor ihnen sicher. Wie stark die Larven etwa von Fischen gefressen werden, wird derzeit untersucht.

    Wie wirkt sich die Quagga-Muschel auf die Lebensgemeinschaften aus?
    Auch das wird derzeit intensiv untersucht, vor allem im Rahmen des umfassenden Forschungsprojekts „SeeWandel“, das von der Internationalen Gewässerschutzkommission (IGKB) initiiert wurde. Projektleiter ist Piet Spaak von dem schweizerischen Wasserforschungsinstitut EAWAG. Zu klären sind viele Fragen, etwa zum Platz der Muschel in der Nahrungskette. Allerdings räumt Piet Spaak ein: „Wir wissen noch nicht, welche Algen von den Muscheln und den Larven gefressen werden – und auch nicht, ob und von wem die Larven gefressen werden.“ Allerdings sei in anderen Seen etwa in Nordamerika der Einfluss der Quagga auf die dortigen Lebensgemeinschaften „wirklich signifikant“. Für Spaak ist klar, „dass noch viel Arbeit geleistet werden muss – und wir sind intensiv dabei“.

    Was muss gegen die weitere Ausbreitung der Quagga getan werden?
    Auch wenn sich die Muschel im Bodensee etabliert hat, ist es nach wie vor wichtig, ihre weitere Ausbreitung zu bremsen. Um generell Seen vor invasiven Arten wie der Quagga-Muschel zu schützen, ist daher beim Transport von sogenannten Wanderbooten sorgfältig darauf zu achten, dass zuvor das Bilgenwasser und andere Wasserbehälter geleert sind und die Außenhaut gereinigt wird.

    Große Flächen im Bodensee sind inzwischen von der Quagga-Muschel besiedelt.
    FotoS: EAWAG

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    Gemeinsam für die Seeforelle

    Gemeinsam für die Seeforelle

    Die Bestände der Seeforelle im Bodensee haben sich wieder erholt. Aber neue Gefahren drohen – auch als Folge des Klimawandels.

    Die Seeforelle ist ein hervorragender Indikator für den Zustand der Gewässer. Die Ansprüche des Fisches an seinen Lebensraum sind groß. Er lebt nur dort, wo die Wasserqualität gut ist, und wo er ungehindert zwischen See und Fluss zu seinen Laichplätzen aufsteigen kann. Nachdem die Seeforelle in den 1980er Jahren aus mehreren Gründen beinahe ausgestorben war, ist der Zustand des Bodensees und der meisten seiner Zuflüsse dank des Einsatzes von Gewässerschutz und Fischerei heute wieder so gut, dass sie dieser Fischart einen geeigneten Lebensraum bieten – eine veritable Erfolgsgeschichte!

    Doch damit sind die Gefahren für die Seeforelle noch nicht gebannt. Darauf macht die Internationale Gewässerschutzkommission für den Bodensee (IKGB) nun zusammen mit der Internationalen Bevollmächtigtenkonferenz für die Bodenseefischerei (IBKF) in einer Kampagne aufmerksam. Demnach bereiten der Seeforelle nach wie vor Wehre und andere Wanderhindernisse erhebliche Probleme. IGKB und IBKF setzen sich gemeinsam und über Landesgrenzen hinweg für die Beseitigung dieser Hindernisse ein. Entscheidend bei diesem Engagement ist nicht zuletzt die gute Zusammenarbeit zwischen den Ländern und Kantonen sowie den Kraftwerksbetreibern am Bodensee.

    Darüber hinaus machen der „Königin der heimischen Fische“ neue Herausforderungen zu schaffen. So sind viele neue Arten in den See eingewandert, die das ökologische Gefüge verändern. Auch der Klimawandel wirkt sich tendenziell negativ auf die Seeforellen aus. Mit ihrer Kampagne wollen IGKB und IBKF deshalb gemeinsam die Maßnahmen zum Schutz der Gewässerlebensräume weiter vorantreiben. Um die Bedeutung der Seeforelle einem breiteren Publikum bewusst zu machen, haben die beiden Organisationen einen Film und eine Broschüre veröffentlicht.

    info_outline Link zum Film

    info_outline Link zur Broschüre

    Die Seeforelle lebt im See, laicht aber in den Zuflüssen ab. Daher sind beide Lebensräume für ihren Schutz wichtig.
    Foto: Peter Rey